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Vollkorn mit Halbwert

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Vollkorn mit Halbwert

Nahrungsmittel verlieren seit Jahrzehnten immer mehr Nährstoffe. Der Substanzverlust wird durch die steigenden Kohlendioxidwerte verursacht

Von Rolf H. Latusseck

Noch gilt Vollkornbrot als gesunde Alternative zu Fast Food und Fertiggerichten. Doch der qualitative Vorsprung der Scheibe kräftigen Schwarzbrots wird kleiner, ihr Gehalt an lebenswichtigen Spurenelementen nimmt ab.

"Die steigende Konzentration atmosphärischen Kohlendioxids (CO2) und die Qualität unserer Nahrung sind zwei unserer wichtigsten Probleme", schreibt Irakli Loladze von der Princeton University (New Jersey) in der Oktober-Ausgabe der "Trends of Ecology & Evolution". "Ein Zusammenhang zwischen beiden ist allerdings nicht ohne weiteres ersichtlich."

Und doch besteht er. Schon heute ist unsere Nahrung vielfach extrem arm an so genannten Mikronährstoffen oder Spurenelementen wie Eisen, Jod und Zink. Diese Nährstoffarmut wird mit steigendem CO2-Gehalt immer größer, erklärt der Biologe.

Kohlendioxid ist ein unverzichtbarer Nährstoff für Pflanzen. Sie nehmen das Treibhausgas aus der Luft auf und synthetisieren daraus mit Hilfe von Wasser und Sonnenlicht Traubenzucker, Stärke und weitere hochmolekulare Verbindungen. Der Anstieg des Kohlendioxidwerts seit Beginn des industriellen Zeitalters vor 150 Jahren um etwa 30 Prozent und seine weitere Zunahme in der Zukunft kommen den Pflanzen zugute. In einigen tausend Untersuchungen wurde nachgewiesen, dass ihr Wachstum gefördert wird und Nutzpflanzen durch den CO2-Effekt bessere Ernteerträge liefern.

Doch das ist nur die eine Seite der Medaille. Auf der anderen Seite steht eine deutliche Abnahme des Gehalts an Spurenelementen. Denn die muss die Pflanze aus dem Boden nehmen. Wachsen nun zwei Weizenpflanzen unter exakt identischen Bedingungen mit dem einzigen Unterschied auf, dass Pflanze A doppelt so viel (CO2) aus der Luft zur Verfügung steht wie Pflanze B, dann kann A mehr Traubenzucker herstellen; allgemein ausgedrückt: Die Pflanze stellt mehr "Biomasse" in Form von Kohlenhydraten her. Sie nimmt aber gleichzeitig nicht mehr Spurenelemente aus dem Boden auf als B, das heißt, es tritt eine Verdünnung ein. Sowohl die Pflanze als Ganzes als auch die als Nahrung dienenden Getreidekörner verarmen an Spurenelementen.

Dieser allgemeine Verdünnungseffekt wird noch verstärkt durch die Tatsache, dass Pflanzen unter einem höheren CO2-Angebot ihre Wasserverdunstung einschränken. Sie geben weniger Wasserdampf über die Blätter ab, müssen folglich über die Wurzeln weniger Wasser aus dem Boden nachliefern. Der verminderte Wasserhaushalt wiederum beeinflusst die Verfügbarkeit von Eisen, Magnesium, Phosphor und anderen Elementen im Boden. Von Ausnahmen abgesehen verschlechtert sich dadurch die Versorgung mit Mikroelementen...

Aus: Welt am Sonntag, 22.09.2002

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